Druckguss beginnt im Design

Die meisten Kosten werden in der Konstruktion festgelegt – nicht in der Fertigung. Wir unterstützen Sie dabei, Bauteile gießgerecht, kostengünstig und funktionsoptimiert auszulegen.

Design for Manufacturing (DFM)

01

Konstante Wandstärken

✓ Gut: Wandstärke 2,5 mm ± 0,3 mm
✗ Schlecht: Sprünge von 1,5 mm auf 4,0 mm

Warum: Ungleichmäßige Wandstärken führen zu Lunkerbildung, Verzug und verlängerten Zykluszeiten. Jede Verdickung muss länger auskühlen.

Lösung: Rippen statt Verdickungen. Wandstärke max. 3:1 Verhältnis.
02

Entformungsschrägen

✓ Mindestens 1-2° Entformungsschräge
✗ Senkrechte Wände (0°)

Warum: Ohne Schräge bleibt das Teil im Werkzeug hängen oder wird beim Ausstoßen beschädigt. Werkzeugverschleiß steigt massiv.

Faustregel: 1° pro 25 mm Höhe (ZDG), 2° (ADG)
03

Hinterschnitte vermeiden

✓ Geometrie in Entformungsrichtung öffnend
✗ Hinterschneidungen, die Schieber erfordern

Warum: Jeder Schieber erhöht Werkzeugkosten um 8.000-15.000€ und verlängert Zykluszeit um 3-5 Sekunden.

Alternative: Bauteil zweiteilig konstruieren oder Hinterschnitt als Nacharbeit (Bohren/Fräsen).
04

Radien statt Kanten

✓ Innenradien ≥ 0,5 mm, Außenradien ≥ 0,3 mm
✗ Scharfe Kanten (R = 0)

Warum: Scharfe Kanten sind Sollbruchstellen im Werkzeug und führen zu Kerbspannungen im Bauteil.

Ideal: Innenradius = Wandstärke
05

Rippen & Verstärkungen

✓ Rippendicke = 50-70% der Wandstärke
✗ Rippen dicker als Grundwandung

Warum: Dicke Rippen führen zu Einfallstellen an der Oberfläche (Sichtseite). Material sammelt sich und kühlt ungleichmäßig ab.

Lösung: Mehrere dünne Rippen statt einer dicken.
06

Entlüftung einplanen

✓ Entlüftungskanäle an höchsten Punkten
✗ Geschlossene Kavitäten ohne Luftauslass

Warum: Eingeschlossene Luft führt zu Poren, unvollständiger Füllung und Brandblasen an der Oberfläche.

Werkzeugkonstruktion: 0,02-0,05 mm Entlüftungsspalte

Toleranzen nach DIN EN ISO 8062-3

Druckgussteile können nicht mit Fräs- oder Drehgenauigkeit produziert werden. Maßtoleranzen werden über den Gusstoleranzgrad CT (Casting Tolerance) nach DIN EN ISO 8062-3 angegeben. Der Serienstandard liegt bei CT6–CT7; engere Grade sind möglich – aber nur dort, wo sie funktional notwendig sind. Die angegebene Gesamttoleranz verteilt sich symmetrisch zum Nennmaß (je zur Hälfte plus/minus).

Zinkdruckguss (CT4–CT6)

Nennmaß CT4 CT5 CT6
bis 10 mm 0,26 0,36 0,52
10–40 mm 0,32 0,46 0,64
40–100 mm 0,40 0,56 0,78
Werte: Gesamttoleranz in mm (symmetrisch, ±½)
Standard: CT6 ohne Mehrkosten · CT4: +15% Werkzeugkosten, Nacharbeit

Aluminiumdruckguss (CT5–CT7)

Nennmaß CT5 CT6 CT7
bis 10 mm 0,36 0,52 0,74
10–40 mm 0,46 0,64 0,90
40–100 mm 0,56 0,78 1,10
Werte: Gesamttoleranz in mm (symmetrisch, ±½)
Standard: CT7 ohne Mehrkosten · CT5: Komplexeres Werkzeug erforderlich

Konstruktionsempfehlung

  • Funktionsmaße (Passflächen): CT4 (ZDG) / CT5 (ADG)
  • Nebenflächen: CT6–CT7
  • Toleranzen nur dort eng setzen, wo es funktional nötig ist
  • Enge Toleranzen = höhere Werkzeugkosten + Nacharbeit

Wandstärken: Technische Grenzen

Zinkdruckguss

Minimum
0,8 mm
Optimal
1,5 - 3,0 mm
Maximum
6 mm

Bei >4 mm entstehen Lunker (Hohlräume). Besser: Rippen verwenden.

Aluminiumdruckguss

Minimum
1,5 mm
Optimal
2,5 - 4,0 mm
Maximum
8 mm

Dünnere Wände sind möglich, aber mit höherem Ausschussrisiko.

Konstruktionsregeln

Wandstärken-Verhältnis max. 3:1
Beispiel: Wenn Grundwand 2 mm, dann max. 6 mm Verdickung
Übergänge fließend gestalten
Wandstärkensprünge über 20-30 mm verteilen
Rippen statt Massivquerschnitte
Gewicht sparen, Lunker vermeiden, Zykluszeit reduzieren

Funktionsintegration

Druckguss ermöglicht die Integration von Funktionen, die bei anderen Verfahren separate Bauteile erfordern. Das reduziert Montagekosten und verbessert Toleranzketten.

Gewinde direkt abformen

Außengewinde bis M6 direkt gießbar (mit Entformungsschräge). Innengewinde ab M8 mit Gewindekern (erhöht Werkzeugkosten).

Alternative: Gewinde nachschneiden (flexibler, günstiger)

Einlegetechnik

Metallische Inserts (Buchsen, Gewindeeinsätze, Kontakte) können eingegossen werden. Insert wird im Werkzeug positioniert und umgossen.

Vorteil: Höhere Festigkeit als nachträglich eingepresste Inserts

Snap-Fits & Clips

Rastnasen, Clipverbindungen, Federelemente direkt integriert. Spart separate Verbindungselemente.

Achtung: Entformbarkeit prüfen (ggf. Schieber nötig)

Kühlrippen

Kühlkörper für LEDs, Elektronik – besonders bei Aluminium durch hohe Wärmeleitfähigkeit effektiv.

Design: Rippen parallel zur Entformungsrichtung

Scharniere

Film-Scharniere bei Zink möglich (dünne Wandstärke 0,3-0,5 mm). Bei Aluminium problematisch (Bruchgefahr).

Alternative: Scharnier als Insert oder separate Achse

Dichtflächen

Planflächen für O-Ringe, Flachdichtungen direkt abgeformt. Rauheit Ra 3,2 - 6,3 µm typisch.

Bei höheren Anforderungen: Plan-/Schleifbearbeitung

Engineering-Unterstützung

Machbarkeitsanalyse

Wir prüfen Ihre CAD-Daten auf:

  • Gießbarkeit der Geometrie
  • Wandstärkenverteilung
  • Hinterschnitte & Schieberbedarf
  • Entformungsschrägen
  • Kritische Merkmale
Kostenlose Erstbewertung anfragen →

Formfüllsimulation

Virtuelle Absicherung vor Werkzeugbau:

  • Fließverhalten visualisieren
  • Bindefehler identifizieren
  • Lufteinschlüsse lokalisieren
  • Anschnitt-Position optimieren
  • Zykluszeit prognostizieren
Simulation beauftragen →

Design-to-Cost

Kostensenkung durch Redesign:

  • Hinterschnitte eliminieren
  • Schieber reduzieren
  • Materialvolumen optimieren
  • Zykluszeit verkürzen
  • Nacharbeit minimieren
Optimierung anfragen →

Lassen Sie uns Ihr Bauteil bewerten

Senden Sie uns Ihre STEP- oder IGES-Datei. Wir geben Ihnen Feedback zu Gießbarkeit, Toleranzen und Optimierungspotenzial – kostenlos und unverbindlich.

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